22.04.2022

Interview: Shoepassion – rethinking shoe sales?

Björn Henning Shoepassion

Björn Henning ist seit 2019 CEO von Shoepassion. Das Unternehmen ist bekannt als Premium Boutique Plattform für Schuhe „made in Europe“ und überzeugt neben seinen qualitativ überragenden Produkten auch mit einem innovativen Unternehmensansatz. Wir sprachen mit ihm über seinen Werdegang, die kommunikativen Ansätze und Ziele.

Shoepassion ist es in den letzten Jahren gelungen, sich von einem Berliner Start-Up zu einem anerkannten Schuhunternehmen zu entwickeln. Mit der Erweiterung des stationären Handels in Deutschland und Österreich konntet ihr unterstreichen, welches Potential hinter eurer Vision steht. Wie ist Ihnen das gelungen?

Durch unser haptisches Produkt hatten unsere Kunden schon sehr früh den Wunsch, unsere Qualität und Passform auch stationär erleben zu können. Mit der Eröffnung des ersten Ladens in Berlin haben wir gesehen, wie hoch die Nachfrage tatsächlich war. Daraufhin haben wir uns angeschaut, in welchen Städten wir die größten Onlineumsätzen erzielten und haben dort nach und nach Stores eröffnet. Alles mit sehr viel Eigenanteil und nach dem Motto „Learning by Doing“ – aber am Ende hatten wir ein tolles Ergebnis und konnten viel Geld bei der Umsetzung sparen.

Entscheidend für den Erfolg ist vor allem die Außendarstellung eines Unternehmens. Welche Faktoren haben dazu geführt, dass Ihre Bekanntheit stetig wächst und welche Rolle spielte dabei die Kommunikation?

Ich glaube die Einzigartigkeit unseres Ansatzes hat dazu geführt, dass wir schnell viele Fans in unserem Genre gewonnen haben. 2010 war der Ansatz hochwertige Lederschuhe in Europa mit europäischen Materialien fertigen zu lassen, diese direkt über das Internet an Endkunden zu verkaufen und dabei ein unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis zu bieten noch sehr neu. Heute gibt es ein breiteres Angebot bei uns und mehr Wettbewerber. Unser Prinzip ist im Kern jedoch gleichgeblieben und macht uns auch heute noch besonders.

Die Modebranche gilt als sehr dynamisch und lebt von ihrer Exklusivität. Was hat sich dabei in den letzten Jahren geändert und was bedeutet dieser Wandel für die Öffentlichkeitsarbeit in diesem Sektor?

Wir haben uns schon immer als ein Gegenentwurf zur Schnelllebigkeit in der Modebranche empfunden. Bei uns ging es um zeitlose Designs und Langlebigkeit. Diese hat natürlich ihren Preis, aber unsere Kunden verstehen dies als eine Investition. Zu uns kommt man, wenn man sich etwas von Dauer gönnen möchte. Mit dieser Ausrichtung konnten und können wir in der Modewelt überzeugen.

»Der nächste Winter wird sicher noch einmal eine Herausforderung.«

Björn Henning

Vor allem der Einzelhandel wurde von der Covid-19 Pandemie hart getroffen. Denken Sie, dass in solchen Zeiten noch stärker auf die Unternehmenskommunikation geachtet werden muss?

Die Pandemie hat große Unsicherheiten mit sich gebracht. Die Kommunikation war in dieser Zeit besonders wichtig. Sowohl mit unseren Kunden als auch Mitarbeitern oder Lieferanten waren wir stets im engen Austausch, um auf die schnell wechselnden Zustände zwischen den verschiedenen Anordnungen und Erlassen reagieren zu können.

Inwiefern hat die Pandemie Ihr Geschäftsmodell beeinflusst?

Wir sind traditionell stark in der klassischen Business Mode. Dieses Segment hat besonders unter der Pandemie gelitten und wird unserer Ansicht nach auch nicht so schnell wieder zu alter Stärke zurückkommen. Wir glauben, dass elegante Looks und die Lust sich schick zu machen wieder kommen, aber mit mehr Innovation und Extravaganz. Mit unserer neuen Marke Henry Stevens wollen wir genau in diesem Bereich aktiv werden.

Abschließend noch ein Blick in die Zukunft: Welche Ziele hat Shoepassion für das Jahr 2022?

Wir hoffen, dass der Krieg in der Ukraine schnell endet und wir wieder Frieden in Europa haben werden. Gleichzeitig sind die Folgen von Covid noch nicht ausgestanden – wir befinden uns in einer Übergangszeit. Der nächste Winter wird sicher noch einmal eine Herausforderung. Gleichzeitig sehen wir starke Wachstumsimpulse in unseren neuen Marken Henry Stevens (Modern Classics) und N91 (Lifestyle) – vor allem im Bereich der Damen, obwohl Shoepassion traditionell eher ein Herrenkonzept war. Wir sind also zuversichtlich uns zusätzlich zur Erholung in unserem Kerngeschäft in diesen neuen Bereichen gut weiterentwickeln zu können, sofern es die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zulassen.